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Die Messe. Fenster. Tür. Fassade.

18. - 21. März 2020 // Nürnberg, Germany

FENSTERBAU FRONTALE Newsroom

Verkleben im Fensterbau

Erste automatische Verklebung in der Schweiz
Erste automatische Verklebung in der Schweiz // © Jörg Pfäffinger

Für manche ist es noch exotisch, für diverse Branchenführer jedoch alltäglich: das Verkleben der Verglasung in den Fenster-Flügelrahmen. Aktuelle Entwicklung ist eine neue Richtlinie des ift Rosenheim, die auf der diesjährigen FENSTERBAU FRONTALE präsentiert wurde. Zusammen mit den Industriepartnern Otto Chemie (Kleb- und Dichtstoffe), Remmers (Holzfarben und Lacke) und Lohmann (Klebeband-Technologie) wurde ein konkretes Verfahren für die Klebung beschichteter Holzoberflächen dokumentiert.

Dazu Günther Weinbacher, Projektleiter Geklebte Fassade und Schulungsleiter bei Otto-Chemie: „Mit dem Nachweis bieten wir dem Verarbeiter die Möglichkeit, geklebte Verglasungen auch in beschichtetes Holz sicher und sauber einzubringen.“ Und Paul Kemmel, Anwendungstechniker von Lohmann, betont: „Der Einsatz eines speziell entwickelten Klebebandes ermöglicht bereits eine RC2-Zertifizierung, der zusätzliche Einsatz eines 2K-Silicon-Kleb- und Dichtstoffs sogar RC3.“

Karin Lieb vom ift ergänzt: „Die systematische Klebung auf beschichteten Holzoberflächen optimiert den Fertigungsprozess beim Holzfensterhersteller, denn das zertifizierte Zusammenwirken von Klebe- und Beschichtungssystem bringt eine erhebliche Zeitersparnis. Außerdem lassen sich ausgesprochen große Glasflächen aufgrund der geringen Rahmenbreite herstellen.“

Hersteller von Holzfenstern waren die ersten

Schon 1997 begann an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel (BFH) eine Untersuchungen zur Optimierung des Holzfensters, an der damals zwei Hersteller von Holz- und Holz-Aluminium-Fenstern, Wenger Fenster und Tschopp-Zwissig, eingebunden waren. 2006 verwies Jacques Tschopp auf den Erfolg seiner verklebten Fenster: „Wir setzen vermehrt Klebetechnologie für Standardprodukte sowie für Stufengläser ein – und meine Beobachtungen bestätigen diese Entwicklung auch bei anderen Anbietern. Wir bieten mit der Klebetechnik nicht nur Standard-Fenster an, sondern auch Spezialprodukte, die momentan noch wenige Schreiner herstellen.“ Seiner Ansicht nach würden die Vorteile der Klebetechnologie gerade auch von den Kunden verstärkt nachgefragt: Das außen aufgeklebte Glas sei ein Schutz für das Holz, das damit witterungsresistent und pflegeleicht würde, sogar beim Putzen. Die sonst empfohlenen regelmäßigen Wartungen bzw. Erneuerungen der Anstriche seien damit hinfällig. Dann seien die Rahmen durch das Verkleben schlanker zu gestalten, was einen höheren Tageslichtanteil ergäbe und schließlich wiesen die verklebten Rahmen eine höhere Festigkeit auf, da die Verglasung mit dem Rahmen rundherum fest verbunden sei. „Das Glas trägt jetzt den Rahmen und nicht mehr der Rahmen das Glas”, hieß die Aussage des Schweizer Klebstoffherstellers Sika bereits 2004 auf der FENSTERBAU FRONTALE, bei der geklebte Fenster erstmals im größeren Umfeld in Deutschland zu sehen waren. Die großformatigen Wendefenster von Walch aus Österreich zogen dabei auf diesem Stand viel Aufmerksamkeit auf sich.

Die anfangs genannten Qualitätsargumente haben sich in den über zehn Jahren der Produktion dieser Fenster bestätigt und immer mehr Hersteller überzeugt, die Verklebung in ihre Fertigung zu integrieren. Schließlich konnte man bereits damals auf die dauerhafte Verklebung von Scheiben in Fahrzeugen und Flugzeugen und beim Structural Glazing im Fassadenbau zurück blicken. Und genau wie dort etablierten sich zahlreiche Maschinenhersteller für entsprechende Anlagen auch im Bereich der Fensterproduktion. Händisch zu bedienende Klebepistolen, teilweise mit Klebstoffzuführung aus externem Tank sind ebenso am Markt, wie halbautomatische und vollautomatische Anlagen, die, robotergestützt, das Glas in den Rahmen legen und selbsttätig verkleben. Dazu kommen Dosier- und Mischanlagen, die das Interesse auf der FENSTERBAU FRONTALE auf sich ziehen. Baumgartner, ein führender Schweizer Hersteller von Holz- und Holz-Aluminium-Fenstern produziert und lagert auf 50.000 m² Hallenfläche seine Fenster vollautomatisch und wird in den nächsten Monaten seine Produktionskapazität durch einen Hallenneubau noch einmal wesentlich erweitern, um für Großprojekte, vor allem im Schweizer Hochhausbereich, noch besser gerüstet zu sein. 1 Million verklebte Fensterflügel hat er nach eigenen Angaben bisher verkauft und kann sich eine Produktion ohne diese Technologie heute nicht mehr vorstellen.

Auch Kunststofffenster werden verklebt

Auch diverse Hersteller in der Kunststofffensterbranche sind inzwischen vom Verkleben überzeugt. Es gibt zum Beispiel speziell für die Verklebung konstruierte Rahmenelemente von Aluplast, die von dessen Kunden sehr gut angenommen werden. In Deutschland, der Schweiz und in Polen werden damit hochwertige Fenster am Markt positioniert.

Internorm, der größte österreichische Anbieter und führend in Europa, verklebt sein Holz-Aluminium-System sowie seine Kunststofffenster ohne Ausnahme – 800.000 Einheiten pro Jahr.

Götz Gegg, ein Hersteller von Holz- und Holz-Alu-Fenstern in Deutschland sagte: „Der Beginn des Scheiben-Verklebens entstand 2003 mit der Idee unseres neuen Fenstersystems. Wir haben uns damals Gedanken darüber gemacht, wie wir unsere Fensterkonstruktion so modifizieren könnten, dass der komplette Rahmen im Mauerwerk oder ins Wärmedämmverbundsystem eingebettet werden kann. Dafür benötigten wir eine Lösung, die es uns ermöglichte, Scheiben von außen einzukleben bzw. von außen in den Holzrahmen einzubetten. Mit der Klebetechnik kamen wir zu einer serienreifen Lösung, dem System Revo, das unsere Forderungen erfüllte.“

Inzwischen wird die Verklebetechnologie in ganz praktischem Zusammenhang gegenüber den Kunden kommuniziert: Durch das Verkleben können Fenster die Sicherheitsklasse RC2 erreichen, die sonst nur durch zusätzliche konstruktive Aufwendungen herzustellen ist. Auch können diverse Hersteller bei ihren verklebten Kunststofffenstern oft auf die früher notwendige Stahleinlage verzichten, da die Verklebung die Statik der Konstruktion auch ohne Stahlverstärkung sicher stellt (außer bei bestimmten Übergrößen bzw. Sonderausführungen). Dazu Birgit Brand, Geschäftsführerin der Fenstertechnik-Brand, einem deutschen Anbieter von Kunststofffenstern: „Durch das Verkleben und die damit einhergehende stahllose Fertigung ergeben sich diverse Vorteile zum Beispiel bei der Lagerhaltung. Die Vorteile für den Fachhändler und den Endkunden bringen unser Produkt überhaupt erst in den Markt. Dass das Ganze auch für den Verarbeiter deutliche Verbesserungen bietet, steht außer Frage, sonst hätten auch wir diese Entscheidung für das Verkleben nicht gefällt. Bei uns ist die Klebetechnik im Standard erprobt und in Tests wurde bestätigt, dass Fenster und Türen dadurch sicherer sind.“

Auffallend ist, dass Hersteller verklebter Fenster in allen Befragungen bestätigen, dass diese Technologie auch den Transport der Elemente zur Baustelle und das dortige Verladen verbessern, denn die höhere Steifigkeit der Rahmen habe die Zahl der Transportschäden merklich gesenkt.

Das klingt nach einer Erfolgsstory!

Verkleben von Kunststofffenstern

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