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Use #fensterbaufrontale

Die Messe. Fenster. Tür. Fassade.

18. - 21. März 2020 // Nürnberg, Germany

FENSTERBAU FRONTALE Newsroom

Quo Vadis Holz- und Holz-Aluminium-Fenster?

© ift Rosenheim

Auf der Weltleitmesse FENSTERBAU FRONTALE werden nicht nur Innovationen und neue Produkte gezeigt, sondern sie ist auch eine ideale Gelegenheit für Networking. Auf der ift-Sonderschau „Smart Home mit Fenstern und Türen“ stand ift-Experte Torsten Voigt Jörg Pfäffinger Rede und Antwort zum aktuellen Stand der Holz- und Holz-Alu-Fenster.

Wo stehen das Holz- und das Holz-Alu-Fenster heute?


Voigt: Das Holzfenster steht unter hohem Preisdruck durch günstige Kunststofffenster, denn die meisten Fensterkäufer sind sehr preissensibel. Das gilt in besonderem Maße für  Wohnungsbaugesellschaften und Bauträger. Im gehobenen Wohnungsbau sind Holzfenster wegen der natürlichen Ästhetik des Werkstoffes Holz gefragt. Der Trend geht jedoch zum Holz-Alu-Fenster, weil die Witterungsresistenz durch die Alu-Schale deutlich verbessert wird.

Gibt es noch Verbesserungspotential?


Voigt: Die aktuellen Konstruktionen von Holz-Alu-Fenstern sind technisch sehr gut. Die Branche hat das mehrstufige Dichtungskonzept umgesetzt und die aktuellen Entwässerungsmethoden funktionieren hervorragend. Moderne Holz-Aluminium-Fensterkonstruktionen mit leistungsfähigen Verglasungen sind deshalb sehr energieeffizient und dauerhaft. Verbesserungspotenziale ergeben sich allgemein durch die Nutzung neuer Beschlagtechnologien und Verglasungen.


Ist Verkleben noch ein Thema?


Voigt: Im Produktionsprozess macht das Verkleben der Verglasung Sinn, wenn der Betrieb gut automatisiert ist, wenn also ein Automat die Klebstoffraupe exakt aufträgt und die Klebstoffmenge optimal dosiert. Dann sehe ich im Verkleben Vorteile und eine Aufwertung des Fensters. Das gleiche gilt auch für den Einsatz von Klebebändern. Durch das Verkleben der Scheibe ergibt sich eine zusätzliche aussteifende Wirkung für das Fenster. Dadurch wird die Statik verbessert und die Fenster können bei gleichen Rahmenabmessungen größer werden oder mit schmaleren Rahmenansichten realisiert werden. Auch beim Einbruchschutz bietet das Verkleben Vorteile. Bei RC2 ist es heute üblich, die Verglasung zu verkleben. Allerdings muss bei der Verklebung auf die Materialverträglichkeit von der Holzoberfläche und dem Klebematerial geachtet werden, sonst kann es zu erheblichen Schäden kommen, wenn die Klebung nicht dauerhaft hält. Gerade haben Otto-Chemie und Remmers entsprechende Nachweise für Holzfenster auf Basis der überarbeiteten ift-Richtlinie VE 08 „Beurteilungsgrundlage für geklebte Verglasungssysteme“ erhalten. Grundsätzlich lassen sich verklebte Scheiben auch nach einem Glasbruch tauschen. Alternativ kann auch der Fensterflügel mit einem neuen Glas getauscht werden. Das ist letztlich eine Frage des Angebots.

Was gibt es zu Materialverbünden zu sagen, und hier in Nürnberg zu sehen?


Voigt: Kurzfristig wird sich meiner Meinung nach an den Rahmenmaterialien bei Holz-Aluminium-Fenstern nichts ändern. Es wird bei laminierten Hölzern als tragende Rahmenkonstruktion bleiben, gerade weil die heutige Falzgeometrie und die Entwässerungssysteme sich bewährt haben und den Einsatz leistungsfähiger Dichtungen und Beschläge ermöglichen.

Zum Holzfenster: wie steht es um den Schutz in Form von Lacken etc.?


Voigt: Es gibt heute Beschichtungssysteme, die auch eine zehnjährige Bewitterung aushalten, wenn die Vorgaben der Hersteller eingehalten werden, beispielsweise bezüglich der Beschichtungsdicke, dem Auftragsverfahren, der Holzvorbereitung oder der Trocknungszeiten. Wir müssen uns darüber klar sein, dass eine bewitterte Holzoberfläche einer Wartung und Pflege bedarf. Hier bieten Holz-Alu-Fenster durch ihre witterungsbeständige äußere Aluschale natürlich Vorteile.



Beim Fenstereinbau gibt es immer wieder Klagen über fehlerhafte Ausführungen.


Voigt: Das ift Rosenheim hat gemeinsam mit der RAL-Gütegemeinschaft den Montageleitfaden entwickelt, der sehr detailliert und mit vielen praktischen Arbeitshilfen die fachgerechte Ausführung beschreibt. Bei Beachtung dieser Hinweise können moderne Fenster dauerhaft ihre Funktion leisten. Darüber hinaus gibt es auch den kostenlosen ift-Montageplaner (www.ift-montageplaner.de), in dem geprüfte und vom ift Rosenheim zertifizierte Produkte hinterlegt sind. Mit dem Montageplaner kann der Praktiker zahlreiche Wandanschlüsse planen und den fRSI-Wert berechnen lassen, der von der EnEV gefordert wird. Als Ergebnis liegt dann ein Montagepass vor, mit dem man auf der Baustelle arbeiten kann. Wir empfehlen den Einbau von Fenstern grundsätzlich nach diesem System. Darüber hinaus bildet das ift interessierte Monteure zur „Fachkraft Montage“ aus, die dann auf der ift-Website als qualifizierter Montageexperte für Bauherren und Architekten gelistet werden. Alle drei Jahre müssen diese Monteure dann ihr Wissen aktualisieren. Darüber hinaus hat das ift Rosenheim ein ift-Zertifizierungsverfahren zur Montage von Fenstern und Außentüren erstellt. Im Rahmen der Zertifizierung werden die Bauanschlüsse überprüft und freigegeben, und jährlich erfolgt ein Audit auf der Baustelle. Die Firma erhält dann ein ift-Zertifikat. Im Rahmen der RAL-Gütesicherung gibt es auch das RAL-Gütezeichen Montage.

Qualitätssicherung am Bau – was ist, besonders bei Monteuren aus dem Ausland, zu tun?


Voigt: Der Montage-Leitfaden wurde mittlerweile in Englisch und Rumänisch übersetzt und weitere Sprachen sind in Arbeit. Damit steht dieses Wissen grundsätzlich auch in anderen Sprachen bereit. Allerdings muss man diesen natürlich lesen, verstehen und das Wissen anwenden. Deshalb sieht die ift-Montagezertifizierung auch eine Kontrolle von Baustellen vor. Im Juli bieten wir erstmalig auch Montageschulungen in Englisch an. Damit wird die ift-Montagezertifizierung auch für ausländische Unternehmen leichter nutzbar. Grundsätzlich ist die Durchsetzung von Reklamationen bei deutschen Firmen leichter, so dass Fensterkäufer sich doch meistens für inländische Montagebetriebe entscheiden.

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