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Die Messe. Fenster. Tür. Fassade.

18. - 21. März 2020 // Nürnberg, Germany

FENSTERBAU FRONTALE Newsroom

Barrierefreiheit bei Fenstern und Türen

Mann im Rollstuhl
Praktischer „Anschauungsunterricht“ auf der ift-Sonderschau sensibilisierte die Branche für die Barrierefreiheit und zeigte praktische Lösungsansätze. // © ift Rosenheim

Schwellenlose Türen helfen Menschen mit physischen Einschränkungen und verbessern den Komfort für jeden. Allerdings ist eine regendichte Ausführung aufwändig. Die ift-Fachinfo BA-02/1 zeigt praktische Lösungen.

Barrierefreies Bauen ist kein Randthema, sondern betrifft in Deutschland über 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen – das sind 9,5 Prozent der gesamten Bevölkerung. Aus diesem Grund müssen neue Gebäude den Regelungen der DIN 18040 Teil 2 entsprechen. Zu Türen findet sich eine Vielzahl von Regelungen, zu Fenstern hingegen sind diese eher rudimentär. Zudem gibt es kaum Hinweise zur praktischen Umsetzung. Diese Lücke schließt nun die ift-Fachinformation BA-02/1 „Empfehlungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit im Wohnungsbau mit Fenstern und Türen“, die auf den Ergebnissen des Forschungsvorhabens „Barrierefreiheit von Bauelementen“ aufbaut.

Die Barrierefreiheit zielt auf eine Nutzung durch möglichst alle Menschen mit und ohne Einschränkungen ab. Gerade im privaten Bereich und bei speziellen Einrichtungen, wie dem betreuten Wohnen, ist eine situative Ausstattung mit geeigneten Fenstern und Türen erforderlich. Es soll das Optimum für die jeweilige Nutzergruppe erreicht werden. Mit anderen Worten, wenn die konkreten Einschränkungen der Bewohner bekannt sind, sind diese bei der Umsetzung zu berücksichtigen.

Wer barrierefrei bauen will, muss eine Vielzahl unterschiedlicher, mitunter gegenläufiger Faktoren berücksichtigen und für individuelle Anwendungen einen passenden Kompromiss entwickeln. Allerdings haben Fenster und Türen große Schwierigkeiten bei der Einhaltung der Bedienkräfte sowie der Schwellenhöhe. Die maximal zulässigen Bedienkräfte für barrierefreie Fenster und Türen sind sehr gering und können von schweren Türelementen bzw. dreifach verglasten Fensterelementen kaum erreicht werden. Statt Alternativen aufzuzeigen, wird in den einschlägigen Normen und Empfehlungen tendenziell auf kraftbetätigte Elemente verwiesen und absolute Vorgaben formuliert, beispielsweise eine Null-Millimeter Schwelle für Türen.

Im Forschungsvorhaben wurden deshalb eindeutige, vergleichbare und messbare Anforderungen für die Barrierefreiheit aus Sicht der unterschiedlichen Nutzergruppen und Anwendungsfälle von Fenstern und Türen entwickelt. Dazu zählen auch Einschränkungen, die sich aus einem verminderten Sehsinn ergeben. Die Ergebnisse wurden in Form einer Prüfrichtlinie und einer Einsatzempfehlung anschaulich zusammengefasst.

Kriterien zur Bestimmung der Barrierefreiheit

Grundsätzlich sind die Bedienkräfte fingerbetätigter und handbetätigter Beschläge zu hoch, während die Grenzwerte für die Linearbewegung (Fenster auf-zu) akzeptabel sind. Vor allem bodentiefe Dreh-Kipp Fenstertüren sind aufgrund zu hoher Bedienkräfte häufig nur eingeschränkt „barrierefrei“ bedienbar. Insbesondere das Schließen aus der gekippten Position ist problematisch. Durch regelmäßige Service- und Einstellarbeiten an Fenstertüren kann die Bedienbarkeit verbessert werden. Allgemein wird die Bedienbarkeit durch die Reduzierung von Flügelgewichten sowie eine geeignete Fensterteilung bzw. die Anordnung von Oberlichtern verbessert.

Im Forschungsprojekt wurden deshalb Probanden zu Barrieren in ihrem Wohnumfeld befragt und ein Bedienkraftsimulator entwickelt, um die tatsächlichen Bedienkräfte zu ermitteln, die Menschen mit Einschränkungen aufbringen können. Umfangreiche Bedienkraftmessungen an Fenstern zeigten, dass Zusatzbeschläge eine Alternative zum Kippöffnen/-schließen bieten und so die normativen Anforderungen an geringe Bedienkräfte erreicht werden können.

In Deutschland ist die Schwellenhöhe bislang das alleinige Kriterium für eine barrierefreie Passierbarkeit. Maßgeblich ist aber eigentlich die Überrollbarkeit, gerade für Nutzer von Rollstühlen und Rollatoren. Interessanterweise haben Rollatornutzer oftmals mehr Schwierigkeiten mit Schwellen als Rollstuhlfahrer, da sie aus dem Gleichgewicht geraten und der Rollator zum Kippen neigt. Zur Überrollbarkeit von Schwellen wurden deshalb umfangreiche Versuche mit einem Rollwagen durchgeführt. Daraus wurde ein Messverfahren entwickelt und dessen objektive Ergebnisse der subjektiven Probandenbeurteilung gegenübergestellt. Im Ergebnis können nun Schwellen anhand einer ift-Richtlinie hinsichtlich ihrer Überrollbarkeit klassifiziert werden. Damit können die Hersteller angepasste Lösungen entwickeln und sind nicht mehr allein auf die normativen Vorgaben beschränkt.

Hintergrund

Die ift-Fachinformation BA-02/1 „Empfehlungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit im Wohnungsbau mit Fenstern und Türen“ zeigt messbare Bewertungskriterien und praktische Ansätze, wie man Fenster und Türen konstruieren kann, um das Leben von Menschen mit Einschränkungen zu erleichtern. Auf den Rosenheimer Fenstertagen werden am 11./12. Oktober die Ergebnisse des Forschungsprojekts und Empfehlungen im Rahmen eines Vortrags detailliert vorgestellt.

Die Fachinformation ist erhältlich unter www.ift-rosenheim.de/shop

Infokasten Rosenheimer Fenstertage

Die Ergebnisse aus Forschungsprojekten und aktuelle Informationen zu Technik, Wissenschaft und Normung werden jedes Jahr in der zweiten Oktoberwoche auf den Rosenheimer Fenstertage vorgestellt. 2018 finden diese vom 10. – 12. Oktober statt. Knut Junge wird zum Thema Barrierefreiheit den Vortrag „Stolperfalle – Empfehlungen zur Barrierefreiheit“.

Tagungsprogramm und Anmeldungen unter www.ift-rosenheim.de/web/rosenheimer-fenstertage

Literatur

  1. ift-Fachinformation BA-02/1 „Empfehlungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit im Wohnungsbau mit Fenstern und Türen“, ift Rosenheim 10/2018, ISBN 978-3-86791-425-3
  2. ift-Richtlinie BA-01/1 „Ermittlung und Klassifizierung der Überrollbarkeit von Schwellen“, ift Rosenheim 10/2018, ISBN 978-3-86791-424-6
  3. ift-Forschungsbericht: "Bewertung der Barrierefreiheit von Bauelementen am Anwendungsbeispiel Fenster und Türen", ift Rosenheim 6/2018, ISBN 978-3-86791-430-7

Autor

Dipl.-Ing. (FH) Knut Junge ist am ift Rosenheim Leiter der Technischen Auskunft. Er ist langjähriges Mitglied in Normenausschüssen für das Barrierefreie Bauen und weiteren bundesweit aktiven Ausschüssen zur Barrierefreiheit

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