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12. - 15. Juli 2022 // Nürnberg, Germany

FENSTERBAU FRONTALE Newsroom

Dieses Wissen benötigen Unternehmer:innen im Handwerk für eine eigenbestimmte Digitalisierung!

Foto Fischer und Tessmann
© G+F Verlags- und Beratungs- GmbH

Wissen war schon immer ein Zukunftsfaktor im Handwerk! Wer Zugriff auf profundes Wissen hat, verschafft sich einen grundsätzlichen Vorteil: Er kann faktenbasiert entscheiden und zielgerichtet handeln! 

Gerade bei der Digitalisierung von Geschäftsabläufen spielt Wissen eine enorme Rolle: Worum geht es eigentlich? Worauf kommt es an? Wie kann ich meine Mitarbeiter überzeugen? Was bringt mir der Zugriff auf Unmengen jederzeit abrufbarer Daten und Projektwissen in der Cloud? Wie setze ich die Digitalisierung praktisch um? Und wer kann mich im Zweifel dabei unterstützen?

Wir haben dazu Heiko Fischer und Klaus Teßmann von der Wissensplattform DIGITALISIERUNG PRAKTISCH GESTALTEN befragt

Herr Teßmann, wann spricht man eigentlich von Digitalisierung?

Klaus Teßmann: Das ist eine tolle Einstiegsfrage. Im Laufe der letzten Jahre habe ich zahlreiche digitale Pioniere aus dem Handwerk kennengelernt, die den Begriff „Digitalisierung“ auf eine beeindruckende Art und Weise mit Leben gefüllt haben. Diese Unternehmen haben ein erstaunliches Innovationspotenzial gezeigt. 

Da wurden Gerüstbauer zu Drohnenpiloten, Innenausstatter zu Marketingexperten und Tischler zu Softwareentwicklern. Wir unterstützen das Handwerk nun seit vielen Jahren. Und es war immer unsere Botschaft, dass Digitalisierung mehr ist als nur eine Optimierung der Organisationssysteme und Arbeitsabläufe. 

Digitalisierung bedeutet, den eigenen Betrieb durch den Einsatz von internetbasierten Technologien besser zu machen. Unsere digitalen Pioniere haben bewiesen, dass sich jeder Bereich eines Handwerksbetriebs durch die Digitalisierung optimieren lässt, angefangen bei der Produktivität über die Arbeitskultur, die Kunden bis hin zur Unternehmensstrategie und zum Geschäftsmodell.

Herr Fischer, wie plane ich konkrete Digitalisierungsmaßnahmen, wo steige ich ein?

Heiko Fischer: Zuallererst muss ich wissen, wo ich stehe. Und ich muss meine Prozesse verstehen. Es beginnt also immer mit einer Analyse meines IST-Zustands. Ohne zu wissen, wo mein Anfang ist, fehlt das Fundament für alle weiteren Überlegungen und die daraus folgenden Maßnahmen.

Welche Bedeutung hat bzw. welche Vorteile bringt die Vernetzung des Unternehmers mit Branchenkollegen, Unternehmernetzwerken oder Digitalisierungsfachleuten?

Heiko Fischer: Aus meiner Sicht bietet das entscheidende Vorteile – denn damit können Sie von Ihren Kollegen lernen, Ideen bekommen und Fehler vermeiden. Das Motto heißt: „Vom Handwerker für den Handwerker“.

Herr Teßmann, welche Informationen braucht der Unternehmer, bevor er mit dem „Umbau“ seines handwerklichen Arbeitsalltags von „traditionell“ auf „digital“ beginnt?

Klaus Teßmann: Wer den eigenen Startpunkt nicht kennt, der wird immer Schwierigkeiten haben, ein Ziel und einen Weg dahin zu definieren. Einfach gesagt: Ohne einen Plan enden die meisten Digitalisierungsvorhaben im Handwerk bestenfalls in einer Sackgasse. Das ist leider traurige Realität, die wir oft hautnah miterleben. 

Das heißt: Ein Plan muss her. Und zu einem guten Plan gehören eben nun einmal die Bestimmung meines Ist-Zustands, die Definition des gewünschten Soll-Zustands, die richtigen Prioritäten, ein sauber ausgearbeiteter Zeitplan und eine smarte Umsetzungsstrategie. Und ich muss herausfinden, welche Technologien und Softwarelösungen am besten für meinen Betrieb geeignet sind. 

All das passiert und entsteht nicht über Nacht. Ungeduld ist beim Start in die eigene Digitalisierung fehl am Platz. Und falls ich nicht so richtig weiß, wo ich anfangen soll: Es gibt heute tolle Informations- und Beratungsangebote, die mir weiterhelfen. 

Herr Fischer, wie gestaltet man die Übergangszeit?

Heiko Fischer: Wenn ich mich an die eben beschriebene Vorgehensweise halte, stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine Übergangszeit gibt. Wenn ein Projekt, beispielsweise die Einführung einer neuen Handwerkersoftware, geplant ist, sollte am Anfang nur eine ganz keine Anzahl von Mitarbeitern parallel mit dem neuen System arbeiten, es auf Schwachstellen prüfen und diese durch den Anbieter beseitigen lassen. Danach, je nach Größe des Unternehmens, empfehlen wir, sukzessive einzelne Mitarbeiter oder Teams dafür zu schulen und dann umzustellen. Damit wird der Übergangszeitraum sehr kurz gehalten. 

Wie wichtig ist es, Ängste und Bedenken bei den Mitarbeitern auszuräumen – und wie geht das? 

Heiko Fischer: Das ist eine der größten Herausforderungen: die eigenen Mitarbeiter bei weitreichenden Veränderungen mit „im Boot zu haben“. Wenn man das nicht tut, können Digitalisierungsprojekte schnell scheitern. 

Aus meiner Erfahrung muss man seinen Mitarbeitern den Sinn der Veränderung und die Vorteile für seine Arbeit und für das ganze Unternehmen erklären. Dafür kann man sich auch Zeit nehmen und mehrere Gesprächs- und Präsentationsrunden drehen. Am Beispiel des mobilen Monteurs hat es sich bewährt, dass entweder der Chef oder jemand vom IT-Dienstleister z. B. eine gewisse Zeit mit auf der Baustelle unterwegs ist und vor Ort zeigt, was wann wo einzutragen ist. 

Herr Teßmann, sollten die Mitarbeiter bewerten können, was digital gut läuft – und was nicht? Mit welchen Konsequenzen für die Digitalisierungsmaßnahmen im Betrieb?

Klaus Teßmann: Digitalisierung ist auch immer eine Frage des Mindsets und keine rein technische Entwicklung. Sie geht mit einer sozialen Komponente in der Gesellschaft einher, die die Art und Weise verändert, wie wir denken und leben. 

So haben sich zum Beispiel die Erwartungen des Nachwuchses im Hinblick auf den Wunscharbeitgeber stark verändert: Nachhaltigkeit. Spaß. Eigenverantwortung. Kooperatives Arbeiten. Innovation. Das sind wichtige Elemente, die ein moderner Handwerksbetrieb aufweisen muss, um für den Nachwuchs attraktiv zu sein. 

Hierzu gehört auch, dass der Chef die Mitarbeiter nach deren Meinung zu relevanten Themen fragt und diese mit in Entscheidungen einfließen lässt. Meistens hat das eigene Team auch sehr wertvolle Dinge zu sagen. Das ist eine Informationsquelle, die man nicht außer Acht lassen sollte. Wie die gewonnenen Informationen dann am Ende in den Gesamtablauf integriert werden, muss dann natürlich vom Chef entschieden werden.

Herr Fischer, wie kann der Unternehmer Erfahrungen seiner Mitarbeiter im Umgang mit digitalen Tools und Arbeitsweisen konkret in den Digitalisierungsfortschritt einfließen lassen?

Heiko Fischer: Diese Vorgehensweise ist ideal, wenn es in der Belegschaft mindestens einen Mitarbeiter gibt, der sich für das Thema begeistert und offen dafür ist. Empfehlung: Überlegen Sie, ob Sie diesen Mitarbeiter in Ihre Überlegungen miteinbeziehen und ihn für den Rest der Belegschaft als Coach beim Einarbeiten in die neuen digitalen Tools mit einplanen. Das ist wesentlich besser, als es z. B. von externen Beratern machen zu lassen. 

Herr Teßmann, inwiefern sind digitale Arbeitsweisen ein Argument, mit dem der Unternehmer auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich für seinen Betrieb werben kann?  

Klaus Teßmann: Innovatives Arbeiten wirkt bereits auf den Kunden sehr positiv. Das zumindest sagt das Digibarometer Handwerk, eine sehr gute Studie zum Bau- und Ausbauhandwerk aus dem Jahr 2020. 

Selbstverständlich wirken smart entwickelte und umgesetzte digitale Arbeitsweisen auch beim Nachwuchs und bei modernen Fachkräften sehr gut. In der Regel machen sie das Arbeiten wesentlich einfacher, innovativer und stressfreier. Das kommt bei der Mitarbeitersuche gut an. 

Herr Fischer, welches sind die wichtigsten Kriterien zur Beurteilung der digitalen Kompetenzen bei Bewerbern?

Heiko Fischer: Das kann man nicht pauschal beantworten. Jedes Unternehmen hat einen anderen „digitalen Reifegrad“ und damit sind auch die Anforderungen an die digitalen Kompetenzen unterschiedlich. Wenn der Bewerber allerdings den Umgang mit Smartphone und Tablet nicht beherrscht, würde ich mir ernsthafte Gedanken machen, ob er zu uns ins Unternehmen passt. 

Herr Teßmann, warum (und wie) kann jedes Handwerksunternehmen unabhängig von Branche, Gewerk und Größe von Cloud-Services profitieren? 

Klaus Teßmann: Klassische Softwarelösungen sind in der Regel an teure Serverstrukturen im Betrieb gebunden. Diese müssen für viel Geld gekauft, gewartet und von Zeit zu Zeit durch ein Update auf den neuesten Stand gebracht werden. Ja, die Daten auf Servern liegen im eigenen Haus. Doch sicherer sind sie dadurch nicht. 

Ein On-Premise-Server im Handwerksbetrieb kann in Sachen Datensicherheit niemals mit einem guten und zertifizierten Rechenzentrum mithalten. Und was den Datenschutz angeht, gibt es heute zahlreiche DSGVO-konforme Cloud-Lösungen. 

Moderne Software sollte aus der Cloud kommen. Das ist sicherer, flexibler, einfacher und in der Regel viel günstiger. Trotzdem muss man realistischerweise sagen: Es ist noch nicht immer und überall möglich, gerade im Bereich der klassischen Handwerkersoftware.

Welche Bedeutung hat es für das Geschäft eines Handwerksbetriebs, selbst digitale Services zu bieten? Können Sie Beispiele nennen?

Klaus Teßmann: Es muss passen. Zum Unternehmen und zum Gewerk. Wenn ein Handwerksunternehmer Lust darauf hat, hier voranzugehen, dann wird es sich mit Sicherheit für ihn lohnen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. 

Genannt sei hier zum Beispiel die Online-Terminvergabe oder das online auszufüllende Wartungsformular. Oder die vorausschauende Wartung und die intelligente Service-App mit Kamerafunktion für das Gewerk Sanitär, Heizung und Klima. Oder die rechtssichere Gerüstabnahme per Drohnentechnologie. Oder ein virtueller Rundgang durch das neue Badezimmer mittels VR-Brille. Und natürlich zeugt es auch von der Innovationsfähigkeit des Handwerksbetriebs, wenn Kleinstreparaturen schon direkt vom Kunden mit EC-Karte bezahlt werden können. 

Herr Fischer, Kundendienst ist natürlich auch Mitarbeitersache. Warum sollte und wie kann ein Handwerksunternehmer dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter die Serviceorientierung auch digital mittragen und verinnerlichen?

Heiko Fischer: Zuerst müssen dazu die Voraussetzungen im Unternehmen geschaffen sein. Damit meine ich, dass der Kundendienstler bzw. Monteur mit Tablet und entsprechender Softwareanbindung ausgestattet ist. Wenn es die Firma vorgibt, dann wird es vom Mitarbeiter getragen werden müssen. 

Gerade bei Wartungen und Kleinreparaturen ist es auf jeden Fall sinnvoll, den kaufmännischen Prozess über ein mobiles Gerät abzubilden. Die Lösung sollte dann auch die Möglichkeit bieten, dass der Kunde auf dem mobilen Gerät – in dem Fall in der Regel ein Tablet – unterschreiben kann. Und der Clou wäre dann die eben beschriebene Möglichkeit der sofortigen Bezahlung via EC-, Kreditkarte oder einem Bezahldienst wie beispielsweise PayPal.

Herr Teßmann: Wie findet ein Unternehmer heraus, welche (digitalen) Zukunftstechnologien für seinen Betrieb Sinn ergeben?

Klaus Teßmann: Handwerker sind von Natur aus extrem innovativ und finden für fast alle Alltagsprobleme spannende Lösungen. Inspirationen und guten Input zu den existierenden Zukunftstechnologien und Möglichkeiten findet man zum Beispiel bei den Beratern für Information und Technologie der Handwerkskammern, kurz BIT. 

Aber auch auf Wissensplattformen wie dem forum handwerk digital oder unserer hauseigenen Plattform „Digitalisierung Praktisch Gestalten“ kann man sich hervorragend informieren. Allgemein gesagt ist der Austausch mit anderen sehr wichtig. Das geht besonders gut auf entsprechenden Veranstaltungen wie Handwerker-Barcamps, Messen und Ähnlichem. 

Wie kann ich mir relevante Zukunftstechnologien für mich und meinen Betrieb erarbeiten?

Klaus Teßmann: Auf jeden Fall methodisch und zielgerichtet. Selbstverständlich kann man sich jederzeit mit dem Thema Innovationen und Zukunftstechnologien beschäftigen. Auch wenn es keinen speziellen Anlass gibt. Einfach, weil es Spaß macht und den Kopf offenhält. Doch dafür muss man dann auch die nötige Zeit haben. Ist man zeitlich eher dicht getaktet, dann sollte im Zentrum meiner Betrachtungen immer die Lösung eines Problems stehen. Entweder befindet sich dieses Problem in meinem Unternehmen und blockiert meine Arbeitseffizienz oder aber es tritt bei einer bestimmten Zielgruppe auf, die für mich interessant ist, und ich möchte dieser Zielgruppe eine Lösung für ihr Problem anbieten. 

So oder so sollte das Problem zunächst analysiert und dann ein Konzept erarbeitet werden, wie die entsprechende Zukunftstechnologie oder Innovation dieses Problem lösen kann. Hierbei helfen Methoden und Werkzeuge wie das Business-Modell CANVAS, das Design Thinking oder die SWOT-Analyse. Und schlussendlich sollte natürlich auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung gemacht werden, die alle relevanten Aspekte in Betracht zieht.   

Wann ist es sinnvoll, sich zum Thema Digitalisierung Wissen von außen ins Unternehmen zu holen?

Klaus Teßmann: Immer. Erwiesenermaßen sind die Unternehmen am erfolgreichsten, die in einem regelmäßigen und fruchtbaren Austausch mit ihrer Umwelt stehen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man diesen Austausch zu gestalten vermag. 

Zunächst einmal kann und sollte man sich immer und regelmäßig mit gleich gesinnten Handwerkskollegen austauschen. Der nächste Schritt wäre es, alle kostenlosen Beratungsmöglichkeiten abzugreifen, die der Markt in diesem Bereich bietet. 

Und bleiben dann immer noch essenzielle Fragen offen oder benötigt man an der einen oder anderen Stelle eine intensive Prozessbegleitung oder ein Coaching, kann man sich die Hilfe eines guten und renommierten Beraters holen, der sich sowohl im Bereich Technologie als auch mit den Anforderungen des Handwerks gut auskennt.

Herr Fischer: Wo kann ich mir das Wissen für die gezielte Vorgehensweise zur Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen allgemein – und Zukunftstechnologien im Besonderen – beschaffen?

Heiko Fischer: Mit einer Portion Offenheit und Neugier das Internet bemühen und dort suchen, ist eine Möglichkeit. Es gibt sehr viele Veranstaltungen von Organisationen, Verbänden und diversen Herstellern, die auch für Handwerker Barcamps veranstalten. Dort werden viele Zukunftstechnologien gezeigt und darüber diskutiert. Darüber hinaus gibt es viele Start-ups rund um das Handwerk – auch davon kann sich jeder Unternehmer inspirieren lassen. 

Herr Fischer, Herr Teßmann, vielen Dank für diese interessanten Einsichten!

Jetzt Ticket sichern: www.frontale.de/ticket

Mehr zum Forum: https://www.frontale.de/de/events/2/forum-digitalisierung-praktisch-gestalten-im-handwerk-die---fr/768520

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